Der Zweiträger-Portalkran mit einseitiger Auskragung entsteht, indem der Brückenträger an einem Ende über die Stützenlinie hinaus verlängert wird. Durch diese Auskragung erreicht der Haken einen Streifen außerhalb der Spurweite — meist eine Lkw-Ladestraße oder einen seitlichen Lagerbereich. Es ist der wirtschaftlichste Weg, den Arbeitsbereich ohne Verlängerung der Schienenbahn zu vergrößern.
Was die Auskragung leistet
Auf Freilagerflächen lässt sich die Schienenbahn oft nicht bis zur Ladestraße führen: Der Untergrund trägt nicht, der Fahrverkehr würde unterbrochen, oder der Bestandsbau lässt es nicht zu. Ein auskragender Träger löst das ohne Schienenbau. Der Lkw fährt neben die Bahn, der Kran setzt die Last direkt auf die Ladefläche. Der Zwischenschritt — Last absetzen und mit dem Stapler erneut aufnehmen — entfällt vollständig. Das verkürzt die Spielzeit und nimmt das Schadensrisiko jeder Umsetzung heraus.
Worauf die Berechnung sieht
Die Auskragungslänge lässt sich nicht beliebig vergrößern. Steht der Haken am Ende der Auskragung, verteilt sich das Biegemoment anders als in Feldmitte, und auf die Stützen wirkt ein Kippmoment. Diese drei Lastfälle — Haken in Feldmitte, Haken über der Stütze, Haken am Auskragungsende — werden getrennt gerechnet; der Trägerquerschnitt folgt dem ungünstigsten.
In der Praxis wird die Tragfähigkeit auf der Auskragung niedriger festgelegt als in der Hauptspannweite. Die Typenschilder weisen diese Unterscheidung aus.
Konstruktion und Ausrüstung
Die Zweiträgerbauweise führt die Katze oben auf den Trägern. Da der Haken bis Trägerhöhe steigen kann, ergibt sich bei gleicher Hallenhöhe deutlich mehr Hubhöhe als beim Einträger. Die Träger werden als Kastenquerschnitt gefertigt; Schweißnähte und Spannungsarmglühen bestimmen die Ermüdungslebensdauer unmittelbar und sind Kontrollpunkte der Fertigung.
Das Fahrwerk wird nach Raddruck und Schienenprofil gewählt, die Bodentragfähigkeit vorab geprüft. Bei Kranen im Freien sind Schienenzangen und Sturmsicherungen vorgesehen, damit Windlast in den Boden und nicht in die Konstruktion geht.
Wo er eingesetzt wird
Stahl-Service-Center, Betonfertigteilplätze, Rohr- und Profillager, hafennahe Lagerzonen und jede Anlage, in der die Ladespur parallel zur Schienenbahn verläuft, profitieren von dieser Bauform.